Figuren gibt’s, die gibt’s gar nicht!
Mit seiner diesjährigen Figurenkombination wollte Schorsch Dörder wohl auf Nummer sicher gehen: Mit dem „gegengerollten Käseecken-Turn“ hatte er die Garantie, dass diese Figur in dieser Ausführung so zuvor noch niemand geübt haben kann und tatsächlich sollte diese Übung in der Meisterklasse dann auch die Spreu vom Weizen trennen!
Da beißt für viele Gleichgesinnte keine Maus keinen Faden ab: Das letzte September-Wochenende ist für den traditionellen Doppelsitzer-Wettbewerb in Blumberg reserviert! Und dem Kunstflug-Herrgott sei Dank, ist die Fangemeinde dieser traditionellen Veranstaltung in diesem Jahr wieder etwas angestiegen: 26 Besatzungen traten in Südbaden zum zwar sportlichen, aber doch nicht ganz bierernsten luftsportlichem Kräftemessen an. Erfreulich für die Veranstalter, dass es wieder einige Wettbewerbs-Debüts gegeben hat und alle Wettbewerbseinsteiger waren sich einig, dass es nicht beim Reinschnuppern bleiben soll!
Die Mannschaften kamen vorwiegend aus dem süddeutschen Raum, aber mit den „Nordlichtern“ und den beiden Exil-Hexen konnten auch „reigschmeckte“ Teams begrüßt werden. Die größte mannschaftliche Geschlossenheit zeigten die Vereine aus Isny und ROBA mit jeweils vier Teams sowie die Freude vom Schreckhof mit drei Mann-/Frauschaften! Man sieht daraus, dass der Segelkunstflug in den Vereinen doch eine Chance hat und nicht nur eine Angelegenheit einzelner Individualisten bleiben muss. Dies ist unter anderem auch die Zielsetzung dieses Wettbewerbs von Anfang an, also weiter so!
Moderat ging es wie immer im ersten Durchgang zur sportlichen Sache: Lediglich die erste Fahrtaufhol-Figur (eine Viertelsrolle abwärts mit zwei Achteln dagegen) sowie eine Navigationsübung mit einem 90-Grad-Rückenkreis und anschließendem abwärts gerolltem Kleeblatt zurück auf die Hauptachse der Blumberger Box stellten etwas höhere Anforderungen dar. Am Ende dieses Durchgangs wurde das Feld wie gewohnt in zwei Gruppen geteilt. Nur gering waren die Punktabstände bei den 12 Meistern und 14 Aufsteigern in der Spitze.
Also sollte nach dem Willen von Schorsch Dörder der nächste Durchgang für eine größere Selektion der Klassen sorgen und er griff in seine „Trickkiste“: Die Meister durften einen Rückentrudler bewältigen und sich vor allem beim neu kreierten „gegengerollten Käseecken-Turn“ die Zähne ausbeißen: Auf einer ca. 60 Grad aufwärts gerichteten Linie sollte zunächst auf eine Seite in die Messerlage gerollt werden. Dort angekommen musste mit dem anderen Querruder per Dreiviertelrolle bis zur bitteren Fahrtneige in die andere Messerlage geflogen werden. Dort angekommen waren dann spätestens sämtliche Fahrtreserven aufgebraucht und die Schwerkraft forderte ihren Preis. Leider gelang es den wenigsten, diese Hürde zu meistern, lediglich die Teams aus Nagold und Schreckhof 1 sicherte sich Traumnoten um die 8,0. Sehr oft quittierten die eingesetzten ASK 21 und DG 500 ihren fliegerischen Dienst vor Erreichen der zweiten Messerlage und wollten – sehr zum Leidwesen ihrer Piloten - von dieser komischen Übung nichts mehr wissen.
Apropos Rückentrudler: Der Pilot, der ihn vorgeschlagen hat, ist dem Autor bestens bekannt und er durfte die herrliche Erfahrung machen, dass derjenige selbst in die Grube fliegt, der sie anderen gerne graben möchte. Jedenfalls wollte das Team Nagold es ganz besonders schön machen und deshalb möglichst langsam nach der halben Rolle in der Rückenlage ankommen, um keinen allzu deutlichen Buckel wegen dem Fahrtabbau vor dem Trudler fliegen zu müssen. Aber hier wurde die Rechnung ohne die Richtung gemacht: Um diese nämlich einhalten zu können, wurde mehr und mehr Seitenruder gebraucht, was der Faden mit einem stetigen Auswandern aus der geliebten Position in der Haubenmitte belegte. Kommentar des backseaters bei diesem Manöver: „Papa, ich wusste gar nicht, dass man so schiebend in den Rückentrudler reinfliegen muss!“ Wie recht er hatte, zeigten dann auch die berechtigten Gnadenwertungen der beiden Schiedsrichter...
Im zweiten Durchgang der Halbacro war die kubanische Acht mit drei Abwärtslinien die „teuerste“ Figur und sorgte für die Selektion der Leistungen. Am Ende hatte das Team aus Walldürn knapp die Nase vorn vor den Vertretern aus Fellbach und den beiden Hexen. Bei den Meistern reichte es den Nagoldern trotz Rückentrudler-Mißgeschick noch denkbar knapp vor Schreckhof 1. –die größte Leistungsdichte gab es allerdings im Mittelfeld: Ganze 4 Punkte (also weniger als 1 Prozentchen) trennten die Plätze sieben bis 9. Leider konnte wetterbedingt kein dritter Durchgang mehr geflogen werden, alle Ergebnisse und weitere Informationen sind zu finden im Wettbewerbs-Archiv unter www.segelkunstflug.com
Der Dank der Teilnehmer geht erneut an Schorsch Dörder für die Wettbewerbsleitung, Ralph Rainer für sein gelungenes Schiedsrichter-Debut, dem Blumberger Team um das Ehepaar Kopisch für die reibungslose Organisation des Flug- und Verpflegungsbetriebes sowie unserem treuen Schlepp-Piloten „Salzmann“.
Michael Zistler
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